Safran-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Crocus sativus · Safranstigmen · Crocin · Safranal
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus den getrockneten Narben (Stigmen) der Safran-Krokusblüte, Crocus sativus. Die untersuchten Leitstoffe sind Crocin (färbend), Safranal (aromagebend) und Picrocrocin
- Herkunft
- Vor allem Iran, daneben Spanien, Griechenland, Indien (Kaschmir). Handpflücke der Blütennarben, seit Jahrhunderten in der persischen Volksmedizin genutzt
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich. Humanstudien verwenden gemahlenes Safranstigma-Pulver (Dosis in mg Safran pro Tag), markenrechtlich geschützte Extrakte wie affron (standardisiert auf einen herstellereigenen, im Abstract meist nicht bezifferten Marker) oder Satiereal, sowie generische Extrakte mit unterschiedlicher Standardisierung auf Crocin und/oder Safranal. Der geeignete Vergleichsmassstab zwischen unterschiedlich konzentrierten Extrakten ist nicht der Prozentwert, sondern die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm. Eine der zitierten Schlafstudien [10] nennt in ihrer Diskussion 30 mg Safranextrakt pro Tag mit mindestens 0,9 mg Crocin und mindestens 0,6 mg Safranal als in der Literatur gebräuchliche Dosierung für Stimmung und Angst; diese Angabe bezieht sich aber auf Studien, die dort nur als Literaturverweise auftauchen, nicht auf die von [10] selbst geprüfte, niedriger dosierte Zubereitung (15,5 mg pro Tag, Crocin 0,9 mg, Safranal 0,7 mg). Für keine der übrigen hier gefundenen placebokontrollierten Humanstudien lässt sich die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm aus dem Abstract bestimmen
- Übliche Studiendosis
- 14 bis 100 mg Safran beziehungsweise Safranextrakt pro Tag in den meisten Stimmungs- und Schlafstudien, bei affron meist 28 mg pro Tag oder 14 mg zweimal täglich, vereinzelt bis 400 mg pro Tag. Für Augenstudien 20 mg reines Safranpulver pro Tag, für die Snacking-Studie 176,5 mg eines markenrechtlich geschützten Extrakts pro Tag
- Verträglichkeit
- In den 12 in einer systematischen Übersicht ausgewerteten placebokontrollierten Studien mit Einzeldosen von 20 bis 400 mg Safran pro Tag (die meisten davon um 30 mg) unterschied sich die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse in der Gesamtschau nicht von Placebo. Am häufigsten berichtet wurden Angst/Unruhe, Appetitveränderungen (in beide Richtungen), Sedierung, Übelkeit, Kopfschmerz und Hypomanie
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Selbstberichtete depressive und Angst-Symptome
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine GRADE-bewertete Meta-Analyse aus 34 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit 1769 Teilnehmenden fand gegenüber Placebo eine signifikante Reduktion des Beck-Depressions-Inventars BDI (14 Studien, 817 Teilnehmende, gewichtete Mitteldifferenz minus 4,39, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 6,64 bis minus 2,15) und des Beck-Angst-Inventars BAI (6 Studien, 339 Teilnehmende, minus 5,06, minus 8,44 bis minus 1,68), mit hoher Heterogenität zwischen den Studien (I-Quadrat 92 beziehungsweise 95 Prozent). Die Autoren stufen die Evidenzsicherheit nach GRADE als moderat ein [1]. Eine ältere Übersicht poolt 7 Meta-Analysen und bestätigt gesondert eine signifikante Reduktion des BDI (Effektstärke minus 3,87, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 5,27 bis minus 2,46) [2]. Beide Übersichten stammen aus demselben Nutrition Research Center der Tabriz University of Medical Sciences im Iran und decken denselben Studienbestand ab (RCTs zu Safran und Stimmung/Angst bis 2025 beziehungsweise 2021); wir zählen sie deshalb als eine größere, neuere und eine kleinere, ältere Auswertung desselben Feldes durch dieselbe Arbeitsgruppe, nicht als zwei unabhängige Bestätigungen. Eine dritte, placebokontrollierte Einzelstudie stützt das Bild, sie ist aber nicht unabhängig. An 202 Erwachsenen mit unterschwelligen depressiven Symptomen, der bislang größten Einzelstudie zu Safran und Stimmung, senkte 28 mg pro Tag des markenrechtlich geschützten Extrakts affron über 12 Wochen den selbstberichteten DASS-21-Depressionswert stärker als Placebo (minus 2,92 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 5,13 bis minus 0,71, Cohen's d 0,39); in den übrigen sekundären Endpunkten fand sich kein Gruppenunterschied, und die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die Placeboantwort in dieser Studie hoch ausfiel. Die Studie wurde vom Hersteller Pharmactive Biotech Products SLU gesponsert, zwei Autorinnen sind dessen Angestellte, und der Erstautor leitet laut der Interessenerklärung derselben Arbeit ein Auftragsforschungsinstitut, das Forschungsgelder von Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln bezieht [21]. Die Stufe belegt trägt in dieser Zeile deshalb allein die GRADE-bewertete Meta-Analyse [1], eine vom Rohstoffhersteller und von der iranischen Studienbasis unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Die Primärstudien der beiden Übersichten stammen weit überwiegend aus dem Iran, oft aus denselben wenigen Arbeitsgruppen; einzelne Studien zum markenrechtlich geschützten Extrakt affron sind vom Hersteller Pharmactive Biotech mitfinanziert oder mitverfasst. Mitzudenken ist außerdem eine Einschränkung, die [1] selbst benennt. Dieselbe Meta-Analyse findet auf den klinikerbeurteilten Skalen keinen Effekt und leitet daraus den Bedarf an hochwertigeren Studien ab. Weil Safran stark färbt, riecht und schmeckt, ist eine vollständige Verblindung schwer zu halten, und ein Erwartungseffekt schlägt auf Selbstauskunftsfragebögen stärker durch als auf ein Fremdrating. Bewiesen ist diese Erklärung nicht, die nächste Zeile zeigt sogar Studien mit umgekehrtem Muster, sie bleibt aber die naheliegendste Alternative zu einer echten Wirkung. Für keine der gepoolten Studien lässt sich aus dem Abstract die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen
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02
Klinikerbeurteilte (Fremdrating) depressive Symptome, uneinheitlich gegenüber Placebo
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe GRADE-Meta-Analyse fand für die klinikerbeurteilten Skalen HDRS und HARS sowie für den Stimmungsfragebogen POMS keinen signifikanten Unterschied gegenüber Placebo, ohne im Abstract eine Effektstärke oder ein Konfidenzintervall zu nennen [1]. Eine ältere Umbrella-Übersicht [2], die selbst 7 andere Meta-Analysen zusammenfasst und aus demselben Nutrition Research Center wie [1] stammt, bestätigt das mit Zahlen, die bei genauem Hinsehen aber Unschärfe zeigen statt eines klaren Nulleffekts: Für die klinikerbeurteilte Hamilton-Depressionsskala HAMD lag die Effektstärke bei minus 2,10, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 5,05 bis 0,86 (p gleich 0,164); das Intervall reicht damit bis zu einer Differenz von 5 HAMD-Punkten, das gilt klinisch als erheblich, das Ergebnis zeigt Unschärfe aus einer vermutlich zu kleinen Studienzahl, kein belegtes Ausbleiben der Wirkung. Nur die zweite, gemischte Skala aus HAMD, BDI und DASS zeigt einen echten Nullbefund nahe null (0,02, minus 0,39 bis 0,43, p gleich 0,941) [2]. Dem steht eine echte, quantifizierte Gegenevidenz entgegen, die wir beim Lesen des frei zugänglichen Volltextes von [4] gefunden und bis zur zugrundeliegenden Primär-Meta-Analyse zurückverfolgt haben: [4] berichtet für 6 randomisierte Studien zu Safran und klinisch diagnostizierter Major Depression, alle mit der klinikerbeurteilten Hamilton-Skala HDRS, dass 2 davon rein placebokontrolliert und 4 gegen ein Antidepressivum liefen, und stützt sich dabei auf eine eigene, frühere Meta-Analyse derselben Autorengruppe [29]. Deren Volltext liefert die Zahlen, die im Abstract von [4] fehlen: Gegenüber Placebo fand sich auf der HDRS ein grosser, statistisch eindeutiger Effekt zugunsten Safran (mittlere Effektstärke 1,62, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10 bis 2,14, p kleiner 0,001, 2 Studien, I-Quadrat 0 Prozent), gegenüber Antidepressiva dagegen ein echter Nullbefund mit engem Intervall (minus 0,15, minus 0,52 bis 0,22, p gleich 0,42, 3 Studien, I-Quadrat 0 Prozent) [29]. Diese Effektstärken sind ein anderes Mass (standardisierte Mitteldifferenz) als die Skalenpunkte von [2] (HAMD-Rohpunkte) und deshalb nicht direkt ineinander umrechenbar, beide zeigen aber unabhängig voneinander: Gegenüber Placebo ist der klinikerbeurteilte Effekt in den vorliegenden Studien eher vorhanden als nicht, das Bild 'Fremdrating durchgängig negativ' hält nicht. Eine einzelne neuere randomisierte Studie zu affron als Zusatztherapie bei Erwachsenen mit anhaltender Depression trotz laufender Antidepressiva-Behandlung fand zudem das umgekehrte Muster: Die klinikerbeurteilte MADRS-Skala verbesserte sich signifikant stärker unter Safran (p gleich 0,001), die wortgleiche Selbstbericht-Version MADRS-S dagegen nicht (p gleich 0,831) [22]. Eine weitere Einzelstudie zu affron bei gesunden Erwachsenen mit gedrückter Stimmung fand bei 28 mg pro Tag einen signifikanten Effekt auf den POMS-Gesamtwert (Cohen's d minus 1,10, p kleiner 0,001), bei 22 mg pro Tag dagegen keinen [30]; das ist bemerkenswert, weil [1] den POMS-Fragebogen als klinikerbeurteilte Skala führt, obwohl POMS im Ursprung ein Selbstauskunfts-Fragebogen ist, kein Fremdrating-Instrument. Das relativiert die Kategorisierung von [1] zusätzlich, ohne sie zu widerlegen, denn [1] wertet 34 Studien aus, [30] ist demgegenüber nur eine einzelne Arbeit. Insgesamt zeigt sich damit kein durchgängiges Muster 'Selbstbericht positiv, Fremdrating negativ', sondern eine uneinheitliche Befundlage bei klinikerbeurteilten Skalen, die von der Studienpopulation (Zusatztherapie versus Monotherapie, diagnostizierte Depression versus Angstsymptome, Placebo- versus Aktivvergleich) mitbestimmt wird. Die Übersichten [1, 2, 4] überlappen sich in ihrem Studienbestand vermutlich erheblich, [4] und die daraus verfolgte Primär-Meta-Analyse [29] stammen zudem von teils denselben Autoren und derselben, Iran-lastigen Studienbasis; [22] und [30] sind ebenfalls nicht unabhängig vom Rohstoffhersteller. Bei [30] steht Pharmactive Biotech Products S.L. in der Affiliationsliste der Autoren, das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist dabei leer; [22] stammt von derselben Arbeitsgruppe und demselben Auftragsforschungsinstitut wie die affron-Studie [21], deren Interessenerklärung dieses Institut als Empfänger von Forschungsgeldern der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln ausweist. Alle drei affron-Arbeiten dieser Zeile und der Zeile darüber sind damit herstellernah, unabhängige Wiederholungen zum Markenrohstoff liegen uns nicht vor. Für keine der zugrundeliegenden Studien lässt sich aus dem Abstract die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen
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03
Appetit, Food Craving und Snackhäufigkeit, uneinheitlich je Endpunkt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die Bewertung als widersprüchlich ist nicht gerechtfertigt, weil keine der beiden Seiten ein Effektmass mit Konfidenzintervall führt und weil beide Seiten ohnehin unterschiedliche Endpunkte messen, kein Widerspruch am selben Endpunkt. Eine erste Suchrunde mit den Suchbegriffen 'saffron' AND 'food craving snacking' sowie 'saffron' AND 'appetite satiety' ergab keine Treffer, weil beide als Wortfolge gesucht wurden, die in keinem Abstract so vorkommt; mit den einzelnen Begriffen 'appetite', 'satiety', 'food craving' und 'snacking' (je mit --ohne-humanfilter wiederholt) fanden sich zusätzliche Arbeiten. Eine placebokontrollierte Studie an 60 leicht übergewichtigen Frauen prüfte über 8 Wochen 176,5 mg pro Tag des markenrechtlich geschützten Extrakts Satiereal bei unveränderter Kalorienzufuhr und fand gegenüber Placebo eine signifikant stärkere Reduktion der Snackhäufigkeit und einen signifikant größeren Gewichtsverlust; das Originalabstract nennt dazu nur die Signifikanz (p kleiner 0,01 beziehungsweise p kleiner 0,05), keine Zahlenwerte [3]. Eine unabhängige systematische Übersicht von 2015 bestätigt im Abschnitt 'Weight Management/Snacking' ihres frei zugänglichen Volltextes, dass dies bis zu ihrem Suchschluss 2015 die einzige placebokontrollierte RCT zu Snacking beziehungsweise Appetit war, und referiert dort konkrete Werte ohne Konfidenzintervall: Snackhäufigkeit minus 55 Prozent unter Verum gegenüber minus 28 Prozent unter Placebo, Gewichtsverlust 2,2 gegenüber 0 Pfund, umgerechnet rund 1,0 gegenüber 0 kg [4]. Food Craving ist ein anderer, enger gefasster Endpunkt als Snackhäufigkeit oder Gewicht, deshalb ist ein Nullbefund dort kein Widerspruch zum Satiereal-Befund, sondern eine Ergänzung: Eine unabhängige placebokontrollierte Studie an 73 übergewichtigen Frauen mit leichter bis mittlerer Depression (52 ausgewertet) prüfte gezielt Food Craving als eigenen Endpunkt: 30 mg Crocus-sativus-Kapseln pro Tag über 12 Wochen senkten zwar den Depressionswert signifikant stärker als Placebo, veränderten das Food-Craving-Verhalten gegenüber Placebo aber nicht (repeated-measures ANOVA, p gleich 0,54, ohne Effektmass im Abstract); die Depressionsverbesserung war laut Studie unabhängig vom Food-Craving-Ergebnis [28]. Herstellerfinanzierung nennt das Abstract der Satiereal-Primärstudie nicht ausdrücklich, die Erstautorin war zum Studienzeitpunkt bei einem Auftragsforschungsinstitut beschäftigt. Satiereal ist markenrechtlich standardisiert, für keine der 3 Arbeiten lässt sich aus dem Abstract die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen
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04
Körpergewicht und anthropometrische Werte (Taillenumfang, Hüftumfang, BMI), kleine Effekte nur in der älteren, kleineren Auswertung, in den beiden neueren und größeren kein Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus 25 randomisierten Studien an übergewichtigen und adipösen Erwachsenen fand gegenüber Placebo keine signifikante Veränderung von Körpergewicht (minus 0,32 kg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3,15 bis 2,51, p gleich 0,82), Body-Mass-Index (minus 0,06 kg/m², minus 1,04 bis 0,93, p gleich 0,91), Taillenumfang (minus 1,23 cm, minus 4,14 bis 1,68, p gleich 0,41) oder Hüftumfang (minus 0,38 cm, minus 5,99 bis 5,23, p gleich 0,89); einzig das Taille-Hüft-Verhältnis sank signifikant (standardisierte Mitteldifferenz minus 0,41, minus 0,73 bis minus 0,09) [5]. Eine unabhängige, für Menschen mit metabolischem Syndrom durchgeführte Meta-Analyse aus 25 RCTs kommt laut ihrem frei zugänglichen Volltext zum selben Bild: kein signifikanter Effekt auf BMI (10 Studien, 519 Teilnehmende, minus 0,01 kg/m², 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,38 bis 0,36, p gleich 0,968) oder Taillenumfang (9 Studien, 575 Teilnehmende, minus 1,25 cm, minus 2,63 bis 0,12, p gleich 0,074), Zahlen, die im Abstract nicht einzeln stehen [12]. Der Volltext von [12] hält zusätzlich fest, dass eine Sensitivitätsanalyse (schrittweiser Ausschluss einzelner Studien) an diesen beiden Nullbefunden nichts änderte, sie sind also nicht durch eine einzelne dominante Studie erzeugt. Eine drei bis sechs Jahre ältere, kleinere Meta-Analyse aus 10 Studien mit insgesamt 622 Teilnehmenden über alle gemessenen Endpunkte hinweg (allgemeine Population mit kardiovaskulären Risikofaktoren, nicht auf Übergewicht beschränkt, Teilnehmerzahl für Gewicht und Taillenumfang einzeln nicht im Abstract genannt) hatte dagegen noch eine kleine, aber signifikante Gewichtsreduktion gefunden (minus 1,29 kg, minus 2,14 bis minus 0,44) sowie eine Reduktion des Taillenumfangs (minus 1,68 cm, minus 3,31 bis minus 0,04) [6]. Die beiden neueren, grösseren Analysen widerlegen den älteren Befund aber nicht im strengen Sinn: Das Konfidenzintervall der neueren Gewichtsanalyse (minus 3,15 bis plus 2,51) schliesst sowohl den Punktschätzer der älteren Analyse (minus 1,29) als auch deren unteres Intervallende (minus 2,14) mit ein, dasselbe gilt für den Taillenumfang. Das spricht für Unschärfe durch eine breitere, heterogenere Studienbasis, nicht für einen belegten Nulleffekt gegenüber dem älteren Befund. Eine gezielte Suche nach einer noch neueren Übersicht fand keine weitere einschlägige Arbeit. Ein möglicher Studienüberlapp zwischen den drei Übersichten lässt sich aus den Abstracts nicht klären, für keine der Arbeiten lässt sich die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen. Prüft man die Endpunkte einzeln, bleibt von einem Widerspruch nichts übrig. Beim BMI findet keine der drei Auswertungen einen Unterschied zu Placebo, auch die ältere nicht. Beim Taillenumfang liegen die Punktschätzer der beiden neueren Analysen (minus 1,23 und minus 1,25 cm) fast genau auf dem der älteren (minus 1,68 cm) und unterscheiden sich nur in der Genauigkeit des Intervalls. Beim Körpergewicht überlappen die Intervalle ebenfalls. An keinem einzelnen Endpunkt widersprechen sich die Arbeiten also, sie unterscheiden sich nur darin, ob derselbe kleine Effekt statistisch signifikant wird. Die Zeile steht deshalb auf hinweise statt auf widerspruechlich
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05
Sehfunktion bei leichter bis mittelschwerer altersbedingter Makula-Veränderung (mfERG, Sehschärfe)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an 100 Erwachsenen über 50 Jahren mit leichter bis mittelschwerer altersbedingter Makula-Veränderung fand unter 20 mg reinem Safran pro Tag über 3 Monate gegenüber Placebo eine geringe Verbesserung der bestkorrigierten Sehschärfe (plus 0,69 Buchstaben, p gleich 0,001) und eine leichte Verkürzung der mfERG-Latenz (minus 0,17 ms, p gleich 0,04) [7]. Eine offene, nicht placebokontrollierte 12-Monats-Verlängerungsstudie an einem Teil derselben Teilnehmenden (93 eingeschlossen, 85 beendeten die Studie) fand laut Volltext unter fortgesetzter Einnahme eine signifikant erhöhte mfERG-Ansprechdichte nur in den beiden zentralen Netzhautringen 1 und 2 sowie im Gesamtmittel, nicht aber in den Ringen 3 bis 6; bei der mfERG-Latenz zeigte sich dagegen in keinem der 6 Ringe und auch nicht im Gesamtmittel ein signifikanter Unterschied gegenüber dem Ausgangswert, die in [7] nach 3 Monaten noch gefundene Latenzverkürzung liess sich über 12 Monate offener Weitereinnahme also nicht bestätigen. Gleichzeitig war die Sehschärfe gegenüber Studienbeginn im Mittel um 1,59 Buchstaben schlechter (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,89 bis 2,30, p kleiner 0,001), die Autoren führen das möglicherweise auf eine fortschreitende Kataraktbildung zurück. Bei genauem Lesen des Volltextes zeigt sich zudem ein Sicherheitssignal, das im Abstract nicht auftaucht: Unter den 14 während der Studie erfassten schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen listet die Studie 7 Fälle einer neuen neovaskulären Form der Makula-Degeneration, von denen 5 im jeweils einzigen für die Studie in Frage kommenden Auge auftraten und deshalb zum Ausschluss dieses Auges aus der Sehfunktions-Auswertung führten (nur noch 80 statt 85 Teilnehmende mit vollständigen Sehschärfe-Daten); keines der Ereignisse wurde von den Autoren als durch Safran verursacht eingestuft, ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich aus einer unkontrollierten, offenen Studie ohnehin nicht belegen [8]. Beide Arbeiten prüften eine Augenerkrankungs-Population mit reinem Safranpulver ohne genannte Crocin- oder Safranal-Standardisierung, nicht mit einem auf diese Marker standardisierten Extrakt
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06
Schlafqualität
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus randomisierten Studien an gesunden Erwachsenen sowie an Menschen mit Schlaflosigkeit, Typ-2-Diabetes oder unter Methadon-Erhaltungstherapie fand unter Safran gegenüber Placebo eine signifikante Verbesserung des Pittsburgh-Schlafqualitätsindex PSQI (Mitteldifferenz minus 2,14, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,86 bis minus 1,42), des Insomnia Severity Index ISI (minus 2,63, minus 3,70 bis minus 2,55) und des Restorative Sleep Questionnaire RSQ (7,05, 1,48 bis 12,62); die Zahl der eingeschlossenen Studien und Teilnehmenden nennt das Abstract nicht. In der Subgruppenanalyse zeigte sich laut Abstract die stärkste und stabilste Wirkung bei 100 mg Safran pro Tag, ohne dass dafür Studienzahl oder Effektmass genannt werden [9]. Die Stufe belegt beruht bereits auf dieser einen Meta-Analyse [9], das entspricht dem im Bestand üblichen Maßstab. Ergänzend, nicht als zweite unabhängige Bestätigung: Eine randomisierte Studie an 66 Personen mit leichter bis mittlerer Schlafstörung und Angst fand unter der deutlich niedrigeren Dosis von 15,5 mg Safranextrakt pro Tag über 6 Wochen ebenfalls eine gegenüber Placebo verbesserte Schlafqualität in Aktigraphie- und Fragebogendaten [10]; da ihr Publikationsdatum (2021) vor dem Suchschluss der Meta-Analyse (Oktober 2021) liegt, könnte sie bereits Teil von deren Studienbasis sein, deren Grösse das Abstract von [9] nicht nennt, das lässt sich aus den Abstracts nicht prüfen. Diese Studie [10] ist herstellernah: Eine Autorin ist bei Comercial Quimica Masso angestellt, dem Rohstofflieferanten des geprüften Extrakts, dieser hat die Studie mitfinanziert, und laut Interessenkonflikt-Erklärung haben die Geldgeber am Studiendesign und an der Abfassung der Publikation mitgewirkt. Der Volltext von [10] verweist in seiner Diskussion selbst auf eine Gegenstudie zu affron, die wir nachverfolgt haben: Bei 128 gesunden Erwachsenen mit selbstberichteter gedrückter Stimmung fand eine placebokontrollierte Studie über 4 Wochen weder bei 22 mg noch bei 28 mg affron pro Tag einen Effekt auf den PSQI gegenüber Placebo, ohne dass der zugängliche Text dazu einen Zahlenwert nennt [30]; dieselbe Studie war für den primären Stimmungs-Endpunkt bei 28 mg pro Tag signifikant (siehe die Zeile zu klinikerbeurteilten Symptomen). Diese eine Gegenstudie ändert die Stufe nicht, weil ihr kein bezifferter Effekt entgegensteht, den man gegen die Meta-Analyse [9] abwägen könnte, sie zeigt aber, dass der Effekt nicht in jeder Population und Dosierung auftritt. In ihrer Diskussion nennt dieselbe Studie [10] als in der Literatur gebräuchliche Dosierung für Stimmung und Angst 30 mg Safranextrakt pro Tag mit mindestens 0,9 mg Crocin und mindestens 0,6 mg Safranal (siehe Steckbrief zur Einordnung dieser Marker-Menge); die Studie [10] selbst prüfte dagegen nur die niedrigere, anders standardisierte Dosis von 15,5 mg mit 0,9 mg Crocin und 0,7 mg Safranal. Die gepoolte Population der Meta-Analyse [9] ist gemischt, teils mit Diagnosen, und keine einheitliche Crocin- oder Safranal-Standardisierung der darin verwendeten Extrakte wird im Abstract genannt
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07
Prämenstruelle Beschwerden
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Suche mit den Begriffen 'saffron' AND 'premenstrual syndrome' findet 5 Treffer, nicht nur einen: Neben der placebokontrollierten Primärstudie 3 ältere Übersichtsarbeiten (2009, 2011) und eine 2011 publizierte Studie zur Wirkung von eingeatmetem Safranduft, nicht von oral eingenommenem Safran, auf Speichelhormone und Angst bei PMS, die deshalb hier nicht als Beleg für ein Nahrungsergänzungsmittel zählt. Die placebokontrollierte Primärstudie prüfte laut Tabelle 1 einer unabhängigen Übersicht 50 Frauen mit regelmässigem Zyklus über 2 Menstruationszyklen unter 30 mg Safranstigma-Pulver pro Tag und fand gegenüber Placebo eine signifikante Verbesserung des täglichen Symptom-Tagebuchs und der Hamilton-Depressionsskala [11]. Drei unabhängige systematische Übersichten (2009, 2011, 2024) bestätigen übereinstimmend, dass dies bis zu ihrem jeweiligen Suchschluss die einzige placebokontrollierte RCT zu oral eingenommenem Safran und PMS ist; die neueste dieser Übersichten (Suchschluss Juli 2023) ordnet Safran unter mehreren pflanzlichen Kandidaten für Beschwerden des weiblichen Reproduktionssystems ein, ohne die Studienlage zu PMS über diese eine Arbeit hinaus zu erweitern [4, 27]. Geprüft wurde Safranstigma-Pulver, kein auf Crocin oder Safranal standardisierter Extrakt
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08
Diastolischer Blutdruck bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oder kardiovaskulären Risikofaktoren, systolisch nicht belastbar, im Teilkollektiv mit metabolischem Syndrom ohne Unterschied zu Placebo
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Zwei unabhängige Meta-Analysen randomisierter Studien fanden bei Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren beziehungsweise metabolischem Syndrom unter Safran gegenüber Placebo eine kleine, aber statistisch signifikante Senkung des diastolischen Blutdrucks (minus 1,24 mmHg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,51 bis minus 0,96) [6] beziehungsweise (minus 1,61 mmHg, minus 1,88 bis minus 1,34, 9 Studien, 462 Teilnehmende) [12]. Die 622 Teilnehmenden aus [6] sind die Gesamtzahl der Meta-Analyse über alle gemessenen Endpunkte (Blutfette, Blutzucker, Blutdruck, anthropometrische Werte), nicht die Teilnehmerzahl für den Blutdruck-Endpunkt allein, die das Abstract nicht einzeln nennt. Die größere, neuere Analyse [12] fand zusätzlich eine signifikante Senkung des systolischen Blutdrucks (minus 1,15 mmHg, minus 1,66 bis minus 0,64, dieselben 9 Studien und 462 Teilnehmenden), während die ältere, kleinere Analyse hier keinen signifikanten Effekt fand [6, 12]. Der Volltext von [12] zeigt allerdings, dass dieser systolische Befund weniger robust ist als der diastolische: In der Sensitivitätsanalyse verliert der Effekt seine Signifikanz, sobald eine einzelne Studie (Azimi et al. 2016) aus der Poolung entfernt wird (dann minus 2,47 mmHg, minus 5,22 bis 0,29, p gleich 0,079); der diastolische Effekt blieb in derselben Sensitivitätsanalyse dagegen robust gegenüber dem Ausschluss jeder Einzelstudie. Die neuere Analyse [12] deckt mit 25 RCTs insgesamt ein deutlich größeres Feld ab als die ältere [6] mit 10 Studien, ein Teil der älteren Studien dürfte in der neueren enthalten sein, beide werden hier als eine kleinere, ältere und eine größere, neuere Auswertung gezählt, nicht als unabhängige Doppelbestätigung. Der Volltext von [12] engt die Population zusätzlich ein, was im Abstract nicht steht. In der Subgruppenanalyse senkten Safran und Crocin systolischen und diastolischen Blutdruck bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes, im Teilkollektiv mit metabolischem Syndrom fand sich dagegen keine nennenswerte Senkung. Der gepoolte Effekt stammt also aus dem Diabetes-Anteil des Bestands, nicht aus dem metabolischen Syndrom, worauf der frühere Zeilenname hindeutete. Signifikant wurde der Effekt in derselben Subgruppenanalyse ausserdem nur bei einer Einnahmedauer bis 12 Wochen und einer Dosis ab 100 mg pro Tag. Beide Analysen betreffen ausschließlich Menschen mit metabolischen Vorerkrankungen, nicht gesunde Normalpersonen, die Effektgrößen sind zahlenmäßig klein, und für keine der beiden lässt sich aus dem Abstract die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen
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09
Sexualfunktion, uneinheitlich zwischen Populationen
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Weil Safran traditionell und in mehreren Studien auch mit Libido und weiblicher Sexualfunktion in Verbindung gebracht wird, prüfen wir diesen Endpunkt eigens. Zwei kleine, placebokontrollierte Studien untersuchten Safran gezielt bei medikamentös (Fluoxetin) bedingten sexuellen Funktionsstörungen: Bei 36 randomisierten Männern (30 ausgewertet) verbesserte 30 mg Safran pro Tag (15 mg zweimal täglich) über 4 Wochen gegenüber Placebo die Erektionsfunktions- und Koitus-Zufriedenheits-Domäne des IIEF signifikant, nicht aber Orgasmus, Gesamtzufriedenheit oder sexuelles Verlangen [17]. Bei 38 randomisierten Frauen (34 ausgewertet) verbesserte dieselbe Dosis über 4 Wochen den Gesamtscore des Female Sexual Function Index sowie die Domänen Erregung, Lubrikation und Schmerz signifikant, nicht aber Verlangen, Zufriedenheit oder Orgasmus [18]. Deutlich größere placebokontrollierte Studien zum allgemeinen Endpunkt, nicht auf eine Medikamentennebenwirkung beschränkt, fanden dagegen keinen Effekt: Bei 260 unfruchtbaren Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie verbesserte 60 mg Safran pro Tag über 26 Wochen keinen der geprüften Samenparameter gegenüber Placebo [15]. Bei 346 Männern mit erektiler Dysfunktion zeigte 60 mg Safran pro Tag über 12 Wochen im Cross-over-Vergleich keine Verbesserung der IIEF-Domänen gegenüber der aktiven Vergleichssubstanz Sildenafil, das ist ein Wirksamkeitsvergleich, kein Placebo-Vergleich [16]. Eine 2024 publizierte Studie an 50 Frauen mit Sexualfunktionsstörung fand unter der Kombination aus 15 mg Safran morgens und 15 mg Safran plus 50 mg Vitamin E abends gegenüber Vitamin E allein (plus Safran-Placebo) laut Volltext eine signifikante Verbesserung des FSFI-Gesamtscores (adjustierte Mitteldifferenz 4,6, 95-Prozent-Konfidenzintervall 3,1 bis 6,1, p kleiner 0,001) sowie der Domänen Erregung, Lubrikation und Schmerz, nicht aber von Verlangen, Zufriedenheit oder Orgasmus; das ist kein reiner Safran-gegen-Placebo-Vergleich, weil beide Gruppen zusätzlich Vitamin E erhielten, und deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig [19]. Eine 2025 publizierte systematische Übersicht zu medikamentösen Behandlungen SSRI-bedingter sexueller Funktionsstörungen bei Frauen schliesst Safran unter mehreren geprüften Wirkstoffen ein, findet aber Bupropion als wirksamste Option; für Safran wird darin kein eigener zusammenfassender Effektwert berechnet [20]. Insgesamt zeigt sich ein Muster wie bei der Stimmungswirkung: Kleine Studien in einer spezifischen, medikamentös bedingten Funktionsstörungs-Population finden partielle Verbesserungen einzelner Domänen, grössere Studien zum allgemeinen Endpunkt finden keinen Effekt gegenüber Placebo oder Vergleichspräparat. Für keine der 6 Arbeiten lässt sich aus dem Abstract die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen, geprüft wurde durchgehend reines Safranpulver oder unstandardisiertes Kapselmaterial
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Kognitive Leistung bei Menschen mit Alzheimer-Demenz oder leichter kognitiver Beeinträchtigung, im Vergleich zu Placebo und Demenzmedikamenten
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine systematische Übersicht aus 5 randomisierten Studien mit 325 Teilnehmenden fand: 4 dieser Studien schlossen Menschen mit Alzheimer-Demenz ein, nur eine einzige schloss nicht-demente Personen ein; eine Poolung der Ergebnisse zu einer Meta-Analyse war laut Volltext ausdrücklich nicht möglich, weil sich sowohl die Vergleichsgruppen (Placebo, Donepezil, Memantine, 'keine Behandlung') als auch die verwendeten kognitiven Skalen von Studie zu Studie unterschieden; 3 der 5 Studien hatten ein unklares und eine ein hohes Verzerrungsrisiko [23]. Für sich genommen fand darin eine placebokontrollierte Einzelstudie an Menschen mit Alzheimer-Demenz eine deutliche Verbesserung von ADAS-cog und CDR-SB gegenüber Placebo, während 2 andere Studien (Vergleich mit Demenzmedikamenten beziehungsweise mit 'keiner Behandlung') keinen oder nur einen partiellen Effekt zeigten. Eine unabhängige, selbst als Meta-Analyse betitelte Übersicht aus 4 RCTs zu MCI und Demenz bestätigt für dieselbe Population ähnliche Zahlen, wir haben ihren frei zugänglichen Volltext geprüft: Für keinen der kognitiven Endpunkte (ADAS-cog, CDR-SB, MMSE, SCIRS, MoCA) lag mehr als eine einzige Studie vor, es fand also trotz der Bezeichnung 'Meta-Analyse' keine echte Zusammenfassung mehrerer Studien statt, sondern die Einzelstudienwerte wurden im Format einer Meta-Analyse dargestellt. Gepoolt wurden ausschliesslich Nebenwirkungsdaten aus 2 bis 3 Studien. Der grosse, signifikante Effekt gegenüber Placebo (ADAS-cog Mitteldifferenz minus 7,77, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,69 bis minus 6,85, p kleiner 0,00001; CDR-SB minus 1,30, minus 1,52 bis minus 1,08, p kleiner 0,00001, jeweils eine Studie mit 42 Teilnehmenden) und der fehlende Unterschied zu Donepezil (ADAS-cog minus 0,19, minus 2,28 bis 1,90, p gleich 0,86; CDR-SB 0,06, minus 0,49 bis 0,61, p gleich 0,83, jeweils eine Studie mit 47 Teilnehmenden) stammen dabei aus derselben Autorengruppe (Akhondzadeh) und mutmasslich denselben oder eng verwandten Primärstudien wie die positiven Befunde in [23]; [23] und [24] sind also keine zwei unabhängigen Bestätigungen, sondern überlappen sich in ihrer Studienbasis erheblich [24]. Für kognitiv gesunde beziehungsweise nicht-demente Erwachsene ist die Befundlage anders: Die einzige laut [23] hierzu vorliegende, nicht-demente Studienpopulation ist identisch mit der hier bereits gesondert geführten CABG-Studie [25] (siehe unten); [23] merkt zu ihrem Nullbefund selbst an, dass er möglicherweise auf einen Deckeneffekt zurückgeht, weil die Teilnehmenden zu Studienbeginn bereits im Normalbereich lagen. Eine placebokontrollierte Studie an Menschen nach einer Bypass-Operation am Herzen (WMS-Score über 70, unter 70 Jahre) fand unter 30 mg Safran pro Tag über 12 Wochen keinen signifikanten Unterschied zu Placebo bei der Wechsler Memory Scale oder der Mini Mental State Examination [25]. Eine placebokontrollierte Studie an 60 Menschen unter Methadon-Erhaltungstherapie fand unter 30 mg Crocin pro Tag über 12 Wochen ebenfalls keinen Effekt auf die geprüften kognitiven Testparameter (TMT, FAS-Test, Ziffernspanne), wohl aber auf Suchtverlangen und Entzugssymptome [26]. Insgesamt trägt die vorliegende Evidenz eine kognitive Wirkung vor allem bei bereits diagnostizierter Demenz im Vergleich zu Placebo und in etwa gleicher Höhe wie Demenzmedikamente, gestützt aber im Kern auf eine einzige iranische Arbeitsgruppe und weitgehend überlappende Primärstudien, nicht eine allgemeine Steigerung der kognitiven Leistung bei gesunden Erwachsenen; die beiden verfügbaren Studien an nicht-dementen Personen fanden dort keinen Effekt. Für keine der 4 Arbeiten lässt sich aus dem Abstract die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm bestimmen
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Allgemeine antioxidative Wirkung im Körper bei gesunden Menschen
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Wird verbreitet angenommen. Wir haben gezielt zu oxidativen Markern bei Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren gesucht, dazu liegen uns nur die krankheitsbezogenen Blutdruck- und Stoffwechselwerte der vorherigen Zeile vor. Zu einem allgemeinen antioxidativen Effekt bei gesunden Menschen haben wir keine Studie geprüft
Zur Standardisierung vorweg, weil sie für fast jede Zeile unten mitgilt: Die hier gefundene Humanevidenz zu Safran ist in fünf Zubereitungsformen zersplittert, die sich nicht ohne Weiteres ineinander umrechnen lassen. Ein Teil der älteren, vor allem iranischen Studien verwendet gemahlenes Safranstigma-Pulver, dosiert allein in Milligramm Safran pro Tag, ohne Angabe eines Leitstoff-Gehalts. Ein anderer Teil verwendet markenrechtlich geschützte Extrakte wie affron (Pharmactive Biotech) oder Satiereal (Inoreal), deren Standardisierung herstellereigen und in den Abstracts der zitierten Studien meist nicht beziffert ist. Ein dritter Teil verwendet generische Extrakte mit einer Standardisierung auf Crocin und/oder Safranal.
Der richtige Vergleichsmassstab dafür ist nicht der Prozentwert, sondern die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm, weil Prozentangaben unterschiedlich konzentrierter Extrakte für sich genommen nicht vergleichbar sind: 3 Prozent von 30 mg sind 0,9 mg, 3 Prozent von 7 mg sind nur 0,21 mg. Auf dieser Ebene ergibt sich ein bemerkenswerter Treffer: In der Diskussion einer der hier zitierten Schlafstudien wird als in der Literatur gebräuchliche Dosierung für Stimmung und Angst 30 mg Safranextrakt pro Tag mit einer Standardisierung von mindestens 0,9 mg Crocin und mindestens 0,6 mg Safranal genannt [10]. Diese Angabe bezieht sich allerdings auf Literaturverweise innerhalb der zitierten Studie, nicht auf eine von uns selbst geprüfte Wirksamkeitsstudie mit exakt dieser Kombination; die Studie selbst prüfte eine niedrigere, anders standardisierte Dosis (15,5 mg, 0,9 mg Crocin, 0,7 mg Safranal). Für alle übrigen hier zitierten Studien lässt sich die tägliche Crocin- und Safranal-Menge in Milligramm aus den verfügbaren Abstracts nicht bestimmen. Wo eine Zeile unten diesen Vorbehalt nennt, heisst das: Für die zitierte Studie lässt sich die Marker-Menge pro Tag nicht mit anderen Zubereitungen vergleichen. Das bedeutet nicht zwingend eine schlechtere oder bessere Zubereitung, sondern nur eine nicht vergleichbare.
Studien im Detail
Stimmung, selbstberichtet gegenüber klinikerbeurteilt
Die mit Abstand breiteste Studienlage betrifft Stimmung. Die aktuellste gefundene Übersicht bündelt 34 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit 1769 Teilnehmenden und stuft ihre eigene Evidenzsicherheit nach GRADE als moderat ein [1]. Ein auffälliger Befund liegt im Auseinanderfallen der Massstäbe: Selbstberichtete Skalen wie das Beck-Depressions-Inventar und das Beck-Angst-Inventar zeigen einen signifikanten Effekt, klinikerbeurteilte Skalen wie HDRS und HARS sowie der Stimmungsfragebogen POMS nicht [1]. Eine ältere Umbrella-Übersicht aus 7 gepoolten Meta-Analysen, aus demselben Nutrition Research Center der Tabriz University of Medical Sciences wie [1], findet ein ähnliches Muster: signifikant beim selbstberichteten BDI, mit Unschärfe statt klarem Nulleffekt bei der klinikerbeurteilten HAMD-Skala (Konfidenzintervall bis minus 5 Punkte) und einem echten Nullbefund nur bei gemischten Skalen [2]. Weil beide Übersichten aus derselben Arbeitsgruppe stammen und denselben Studienbestand abdecken dürften, zählen wir sie als eine grössere, neuere und eine kleinere, ältere Auswertung desselben Feldes, nicht als zwei unabhängige Bestätigungen. Eine davon unabhängige Übersicht liefert dagegen eine Gegenevidenz zur klinikerbeurteilten HDRS: In den 2 rein placebokontrollierten der insgesamt 6 dort ausgewerteten Depressions-Studien war Safran auf der HDRS-Skala Placebo überlegen, die Übersicht hält die Evidenz für Safran bei diagnostizierter Major Depression für die stärkste aller von ihr geprüften Endpunkte [4]. Beim Lesen des frei zugänglichen Volltextes von [4] sind wir der dort genannten, zugrunde liegenden Primär-Meta-Analyse derselben Arbeitsgruppe gefolgt und haben deren eigenen, ebenfalls frei zugänglichen Volltext geprüft [29]: Er liefert die Zahlen, die im Abstract von [4] fehlen. Gegenüber Placebo fand sich auf der HDRS ein grosser, statistisch eindeutiger Effekt (mittlere Effektstärke 1,62, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10 bis 2,14, p kleiner 0,001, 2 Studien, keine Heterogenität), gegenüber Antidepressiva dagegen ein echter Nullbefund mit engem Intervall (minus 0,15, minus 0,52 bis 0,22, p gleich 0,42, 3 Studien) [29]. Diese Effektstärken sind ein anderes Mass als die HAMD-Rohpunkte aus [2], beide zusammen sprechen aber dagegen, dass klinikerbeurteilte Skalen durchgängig einen Nulleffekt zeigen. Eine unabhängige placebokontrollierte Einzelstudie an 202 Erwachsenen mit unterschwelligen depressiven Symptomen, die bislang grösste Einzelstudie zu Safran und Stimmung, fand unter 28 mg affron pro Tag über 12 Wochen eine gegenüber Placebo signifikant stärkere Reduktion des selbstberichteten DASS-21- Depressionswerts, allerdings mit einer kleinen Effektstärke (Cohen's d 0,39) und ohne Unterschied bei den übrigen sekundären Endpunkten [21]. Eine weitere Einzelstudie zu affron bei gesunden Erwachsenen mit gedrückter Stimmung fand bei 28 mg pro Tag einen signifikanten Effekt auf den POMS-Gesamtwert (Cohen's d minus 1,10, p kleiner 0,001), bei 22 mg dagegen keinen [30]; das ist bemerkenswert, weil die GRADE-Übersicht [1] POMS als klinikerbeurteilte Skala einordnet, obwohl POMS im Ursprung ein Selbstauskunfts-Fragebogen ist. Insgesamt ist das Bild bei klinikerbeurteilten Skalen damit uneinheitlich, nicht durchgängig ein Nullbefund.
Einzuordnen ist das mit der Herkunft der Primärstudien und mit der Finanzierung. Eine frei zugängliche systematische Übersicht von 2015 hält im Volltext ausdrücklich fest, dass die Mehrheit der Humanstudien zu Safran aus dem Iran stammt, teils von denselben wenigen Arbeitsgruppen, und dass der Iran zugleich für rund 90 Prozent der weltweiten Safranproduktion steht [4]. Diese Arbeit trägt selbst eine offengelegte Herstellernähe: Beide Autoren der Schlussdiskussion waren zum Publikationszeitpunkt Berater eines Unternehmens, das ein safranhaltiges Produkt vermarktet, ohne persönlichen finanziellen Gewinn aus dessen Verkauf, wie die Erklärung ausdrücklich festhält. Der Befund zur iranischen Konzentration der Studienlage bleibt davon unberührt, weil er gegen das eigene kommerzielle Interesse der Autoren spricht, nicht dafür. Unabhängig von dieser Konzentration sind mehrere Einzelstudien zum Extrakt affron (meist 28 mg pro Tag, teils 14 mg zweimal täglich) direkt vom Hersteller Pharmactive Biotech mitfinanziert oder von dessen Angestellten mitverfasst, darunter auch die oben genannte, bislang grösste Einzelstudie mit 202 Teilnehmenden [21]. Auffällig dabei: Von den in diesem Eintrag verwendeten Studien mit offengelegter oder erkennbarer Herstellerfinanzierung (die affron-Stimmungsstudie [21], die Schlafstudie [10] und die Tierstudie [13], siehe unten) fanden alle 3 ein positives Ergebnis für Safran; unter den Quellen, die keinen oder einen geringeren Effekt fanden (etwa [5], [15], [16], [25], [26]), ist keine erkennbar herstellernah. Das ist kein Beleg für verzerrte Ergebnisse im Einzelfall, aber ein Muster, das bei der Einordnung mitgelten sollte.
Appetit, Snacking und Körpergewicht
Zur Snackhäufigkeit gibt es eine placebokontrollierte Humanstudie mit dem markenrechtlich geschützten Extrakt Satiereal (176,5 mg pro Tag) an 60 leicht übergewichtigen Frauen [3]. Sie fand eine signifikante Reduktion der Snackhäufigkeit und einen signifikant grösseren Gewichtsverlust gegenüber Placebo (rund 1,0 gegenüber 0 kg). Für Food Craving als eigenen, enger gefassten Endpunkt fand eine unabhängige placebokontrollierte Studie an übergewichtigen Frauen mit Depression dagegen keinen Unterschied zu Placebo, obwohl dieselbe Studie eine signifikante Verbesserung der Depressionswerte fand [28]; beide Ergebnisse schliessen sich nicht zwangsläufig aus, weil Snacking und Food Craving unterschiedliche Verhaltensmasse sind, sie relativieren aber die Vorstellung eines generellen appetitzügelnden Effekts. Auf der Ebene der reinen Körpermasse zeichnet die grössere Befundlage ein drittes Bild: Zwei unabhängige Meta-Analysen fanden keine signifikante Veränderung von Gewicht, BMI oder Taillenumfang gegenüber Placebo [5, 12], während eine ältere, kleinere Meta-Analyse an einer allgemeineren Population noch eine kleine signifikante Gewichts- und Taillenreduktion gefunden hatte [6]. Die beiden neueren Analysen widerlegen diesen älteren Befund aber nicht im strengen Sinn: Ihr Konfidenzintervall für das Körpergewicht schliesst sowohl den Punktschätzer als auch das untere Ende des Konfidenzintervalls der älteren Analyse mit ein, das spricht für Unschärfe durch eine breitere Studienbasis, nicht für einen belegten Nulleffekt. Snacking als eigener Verhaltens-Endpunkt bleibt davon unberührt, weil ihn keine der Meta-Analysen misst.
Sehfunktion, Blutdruck und Schlaf
Bei altersbedingter Makula-Veränderung fand eine placebokontrollierte Cross-over-Studie mit 20 mg reinem Safran pro Tag eine kleine, aber signifikante Verbesserung von Sehschärfe und retinaler Antwortlatenz [7]. In der offenen, nicht placebokontrollierten 12-Monats-Verlängerung an einem Teil derselben Teilnehmenden verbesserte sich die mfERG- Ansprechdichte laut Volltext nur in den beiden zentralen Netzhautringen und im Gesamtmittel, nicht in den Ringen 3 bis 6; die zuvor gefundene Verkürzung der mfERG-Latenz liess sich dagegen in keinem der 6 Ringe mehr bestätigen. Gleichzeitig war die Sehschärfe nach 12 Monaten im Mittel um 1,59 Buchstaben schlechter als zu Beginn (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,89 bis 2,30, p kleiner 0,001), was die Autoren möglicherweise einer fortschreitenden Kataraktbildung zuschreiben. Der Volltext dieser Verlängerungsstudie zeigt zudem ein Sicherheitssignal, das im Abstract nicht auftaucht: Unter den 14 schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen listet die Studie 7 Fälle einer neuen neovaskulären Makula-Degeneration, 5 davon im jeweils einzigen eligiblen Auge, was zum Ausschluss dieses Auges aus der Sehschärfe-Auswertung führte; ein ursächlicher Zusammenhang mit Safran wurde von den Autoren nicht angenommen, lässt sich aus einer unkontrollierten offenen Studie aber auch nicht ausschliessen [8]. Bei Blutdruck zeigen zwei unabhängige Meta-Analysen an Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren beziehungsweise metabolischem Syndrom übereinstimmend eine kleine signifikante Senkung des diastolischen Blutdrucks, die neuere und grössere der beiden (9 Studien, 462 Teilnehmende für den Blutdruck-Endpunkt) zusätzlich beim systolischen Blutdruck; die 622 Teilnehmenden der älteren Analyse sind deren Gesamtzahl über alle gemessenen Endpunkte, nicht speziell für Blutdruck [6, 12]. Der Volltext von [12] zeigt allerdings, dass der systolische Befund deutlich weniger robust ist als der diastolische: Er verliert seine Signifikanz, sobald eine einzelne Studie aus der Poolung entfernt wird, während der diastolische Effekt in derselben Sensitivitätsanalyse robust blieb; dieselbe Analyse fand für Gewicht, BMI und Taillenumfang Nullbefunde, die in der Sensitivitätsanalyse ebenfalls robust blieben, also nicht durch eine einzelne Studie erzeugt sind (siehe die Zeile zu Körpergewicht). Bei Schlafqualität fand eine Meta-Analyse an gemischten Populationen (gesunde Erwachsene, Menschen mit Schlaflosigkeit, Typ-2-Diabetes oder unter Methadon-Erhaltungstherapie) durchgehend positive Effekte, mit 100 mg pro Tag als wirksamster geprüfter Dosis, ohne dass das Abstract dafür Studienzahl oder Effektmass nennt [9]; eine einzelne, vom Rohstofflieferanten Comercial Quimica Masso mitfinanzierte Studie mit der deutlich niedrigeren Dosis von 15,5 mg pro Tag fand ebenfalls eine verbesserte Schlafqualität [10]. Deren Volltext verweist selbst auf eine Gegenstudie zu affron, in der 128 gesunde Erwachsene mit gedrückter Stimmung weder bei 22 noch bei 28 mg pro Tag einen PSQI-Effekt gegenüber Placebo zeigten [30], ohne dass dies die Stufe der Zeile ändert, weil dem kein bezifferter Effekt entgegensteht.
Prämenstruelle Beschwerden und Sexualfunktion
Zu prämenstruellen Beschwerden fanden wir bei erneuter, korrigierter Suche 5 statt der zunächst vermuteten 2 Treffer; nach Ausschluss einer Arbeit zu eingeatmetem statt oral eingenommenem Safranduft bleibt die Aussage weiterhin auf einer placebokontrollierten Humanstudie, mit 30 mg Safranstigma-Pulver pro Tag über zwei Menstruationszyklen an 50 Frauen [11]. Sie fand eine signifikante Verbesserung gegenüber Placebo. Drei unabhängige systematische Übersichten aus den Jahren 2009, 2011 und 2024 bestätigen übereinstimmend, dass bis zu ihrem jeweiligen Suchschluss keine weitere placebokontrollierte Studie zu oral eingenommenem Safran und PMS existiert [4, 27]. Zur Sexualfunktion ist die Befundlage zweigeteilt: Kleine placebokontrollierte Studien bei medikamentös (Fluoxetin) bedingten sexuellen Funktionsstörungen fanden bei Männern eine Verbesserung von Erektionsfunktion und Koitus-Zufriedenheit [17] und bei Frauen eine Verbesserung des Gesamtscores sowie einzelner Domänen des Female Sexual Function Index [18], jeweils jedoch nicht bei Verlangen, Orgasmus oder Gesamtzufriedenheit. Deutlich grössere placebokontrollierte Studien zum allgemeinen Endpunkt fanden dagegen keinen Effekt: keine Verbesserung der Samenparameter bei 260 unfruchtbaren Männern [15], keine Verbesserung der Erektionsfunktion gegenüber der aktiven Vergleichssubstanz Sildenafil bei 346 Männern mit erektiler Dysfunktion [16]. Eine 2024 publizierte Studie an 50 Frauen mit Sexualfunktionsstörung fand für die Kombination aus niedrig dosiertem Safran und Vitamin E gegenüber Vitamin E allein laut Volltext eine signifikante Verbesserung des FSFI-Gesamtscores (adjustierte Mitteldifferenz 4,6, 95-Prozent-Konfidenzintervall 3,1 bis 6,1), das ist aber kein reiner Safran-Placebo-Vergleich [19]. Eine 2025 publizierte Übersicht zu Behandlungen SSRI-bedingter sexueller Funktionsstörungen bei Frauen findet für Safran unter mehreren geprüften Wirkstoffen keinen eigenständigen gepoolten Effekt [20].
Kognitive Leistung
Die Evidenz zur Kognition betrifft überwiegend Menschen mit diagnostizierter Alzheimer-Demenz. Zwei Übersichten (5 RCTs mit 325 Teilnehmenden beziehungsweise 4 RCTs) berichten für diese Population signifikante Verbesserungen kognitiver Testwerte gegenüber Placebo und keinen Unterschied zu den Demenzmedikamenten Donepezil oder Memantine, mahnen aber selbst ein hohes Verzerrungsrisiko der zugrunde liegenden Studien an [23, 24]. Bei genauerem Lesen der Volltexte zeigt sich, dass diese Übersichten weniger unabhängig sind, als 2 getrennte Zitate suggerieren: [23] konnte laut eigener Aussage wegen unterschiedlicher Vergleichsgruppen und Testskalen gar keine Meta-Analyse rechnen und berichtet Einzelstudienergebnisse; [24] ist zwar als Meta-Analyse betitelt, poolte aber für keinen kognitiven Endpunkt mehr als eine Studie, nur die Nebenwirkungsdaten wurden über 2 bis 3 Studien zusammengefasst. Der grosse, signifikante Effekt in [24] (ADAS-cog Mitteldifferenz minus 7,77, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,69 bis minus 6,85, gegenüber Placebo, 42 Teilnehmende) stammt mutmasslich aus derselben Primärstudie (Akhondzadeh-Arbeitsgruppe), die auch den positiven Befund in [23] trägt; beide Übersichten stützen sich damit im Kern auf dieselbe schmale, iranische Studienbasis. Von den 5 in [23] eingeschlossenen Studien betraf nur eine einzige nicht-demente Personen, diese ist identisch mit der unten gesondert geführten CABG-Studie [25]; [23] hält deren Nullbefund selbst für möglicherweise durch einen Deckeneffekt bei kognitiv bereits normwertigen Teilnehmenden erklärbar. Für 2 nicht-demente Populationen liegen eigene Nullbefunde vor: Bei Menschen nach einer Herzbypass-Operation fand eine placebokontrollierte Studie unter 30 mg Safran pro Tag keinen Effekt auf Gedächtnis- oder Mini-Mental-Status-Werte [25], und bei Menschen unter Methadon-Erhaltungstherapie fand eine placebokontrollierte Studie unter 30 mg Crocin pro Tag keinen Effekt auf mehrere kognitive Testparameter, wohl aber auf Suchtverlangen und Entzugssymptome [26]. Die vorliegende Evidenz stützt damit eine kognitive Wirkung im Rahmen bereits diagnostizierter Demenz eher schwach und auf eine schmale Studienbasis gestützt, nicht eine allgemeine Steigerung der kognitiven Leistung bei gesunden Erwachsenen.
Tier- und Laborstudien
Für den markenrechtlich geschützten Extrakt affron liegt eine Arbeit vor, die neben Zellversuchen ein Mausmodell der sozialen Isolation verwendet und dort anhedonie- und depressionsähnliches Verhalten unter affron verringert fand. In derselben Arbeit wird affron als Extrakt mit mindestens 3,5 Prozent der Summe aus Safranal und Crocin-Isomeren beschrieben [13]. Diese Zahl stammt ausschliesslich aus einer Tierstudie und dient hier nur der Einordnung der Standardisierung, sie trägt keine Wirkungsaussage für Menschen und ist nicht mit einer Standardisierung auf 3 Prozent Crocin und 2 Prozent Safranal als getrennte Marker gleichzusetzen. Die Studie wurde laut Interessenkonflikt-Erklärung vom Hersteller Pharmactive Biotech Products SL finanziert.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Eine systematische Übersicht aus 12 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit Safran-Einzeldosen von 20 bis 400 mg pro Tag (die meisten Studien lagen um 30 mg) fand über alle 12 Studien hinweg keinen Unterschied in der Häufigkeit unerwünschter Ereignisse gegenüber Placebo; die 400 mg sind die höchste in einer einzelnen Studie geprüfte Dosis innerhalb dieser Bandbreite, nicht eine für alle Studien geltende Obergrenze. Am häufigsten berichtet wurden Angst/Unruhe, Appetitveränderungen (in beide Richtungen), Sedierung, Übelkeit, Kopfschmerz und Hypomanie [4]; Letzteres ist die psychiatrisch ernsthafteste der berichteten Nebenwirkungen und bei einer Anwendung wegen Stimmungsbeschwerden besonders relevant. Eine belastbare Humanquelle zu einer konkreten toxischen Schwellendosis liegt uns nicht vor, dazu haben wir keine kontrollierte Studie gefunden.
Zu Schwangerschaft rät eine aktuelle integrative Übersicht (2026) auf Basis begrenzter, überwiegend traditioneller und beobachtender Evidenz ausdrücklich von einer Anwendung im ersten und zweiten Drittel der Schwangerschaft ab, wegen unzureichender Sicherheitsdaten und dokumentierter Fehlgeburtsrisiken bei höheren Dosen oder beruflicher Exposition. Eine der dort referierten Arbeiten, eine Fall-Kontroll-Studie an Safran-Feldarbeiterinnen, fand bei beruflicher Exposition eine deutlich höhere Fehlgeburtsrate als ohne Exposition (10,6 gegenüber 0 Prozent). Nur bei Anwendung am Termin (37. bis 40. Schwangerschaftswoche) hält die Übersicht eine begrenzte, niedrig dosierte Anwendung für vertretbar und nennt dafür selbst eine Obergrenze von maximal 250 mg pro Tag; einzelne darin referierte Studien mit Dosierungen in dieser Grössenordnung fanden eine weichere Cervix und Trends zu kürzerer Geburtsdauer. Bei Hochdosis-Anwendung referiert dieselbe Übersicht, unter Berufung auf ältere Tertiärliteratur (Hosseinzadeh und Nassiri-Asl 2013), Dosen über 5 Gramm als toxisch und über 20 Gramm als potenziell tödlich; das sind Übersichts- und Traditionsangaben, keine kontrollierten Humanstudien, wir haben sie nicht selbst nachrecherchiert. Insgesamt mahnen die Autoren begrenzte, uneinheitliche Evidenz an und fordern standardisierte Zubereitungen und Langzeitdaten, bevor klinische Empfehlungen möglich sind [14]. Das betrifft ausdrücklich die Sicherheit des Stoffes in der Schwangerschaft, unabhängig von einer bestimmten Zubereitung, und ist keine Einnahmeempfehlung.
Quellen zum Nachlesen
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GRADE-bewertete Meta-Analyse aus 34 RCTs, n=1769 · 2026
Effect of saffron on depression, anxiety and mood disorder: a GRADE assessed systematic review and meta-analysis of 34 randomized controlled trials.
Mahmoudi R, Mohammadi-Sartang M, Servatyari K, Rafieipour N. Nutr Neurosci
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03
Randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studie, n=60 · 2010
Satiereal, a Crocus sativus L extract, reduces snacking and increases satiety in a randomized placebo-controlled study of mildly overweight, healthy women.
Gout B, Bourges C, Paineau-Dubreuil S. Nutr Res
Zur Zuschreibung: 03
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05
Meta-Analyse aus 25 RCTs · 2022
Effects of saffron (Crocus sativus L.) on anthropometric and cardiometabolic indices in overweight and obese patients: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.
Tahmasbi F, Araj-Khodaei M, Mahmoodpoor A, Sanaie S. Phytother Res
Zur Zuschreibung: 04
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06
Meta-Analyse aus 10 Studien (11 Publikationen), n=622 · 2019
Clinical evidence on the effects of saffron (Crocus sativus L.) on cardiovascular risk factors: A systematic review meta-analysis.
Pourmasoumi M, Hadi A, Najafgholizadeh A, Kafeshani M, Sahebkar A. Pharmacol Res
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07
Randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n=100 · 2019
Saffron therapy for the treatment of mild/moderate age-related macular degeneration: a randomised clinical trial.
Broadhead GK, Grigg JR, McCluskey P, Hong T, Schlub TE, Chang AA. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol
Zur Zuschreibung: 05
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11
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie · 2008
Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial.
Agha-Hosseini M, Kashani L, Aleyaseen A, Ghoreishi A, Rahmanpour H, Zarrinara AR, Akhondzadeh S. BJOG
Zur Zuschreibung: 07
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12
Meta-Analyse aus 25 RCTs, n=1486 · 2025
Effects of Saffron Supplementation on Glycolipid Metabolism and Blood Pressure in Patients With Metabolic Syndrome and Related Disorders: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials.
Zhang X, Miao J, Song Y, Miao M. Phytother Res
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=260 · 2011
A prospective double-blind randomized placebo-controlled study of the effect of saffron (Crocus sativus Linn.) on semen parameters and seminal plasma antioxidant capacity in infertile men with idiopathic oligoasthenoteratozoospermia.
Safarinejad MR, Shafiei N, Safarinejad S. Phytother Res
Zur Zuschreibung: 09
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Offene, randomisierte Cross-over-Studie gegen Sildenafil, n=346 · 2010
An open label, randomized, fixed-dose, crossover study comparing efficacy and safety of sildenafil citrate and saffron (Crocus sativus Linn.) for treating erectile dysfunction in men naive to treatment.
Safarinejad MR, Shafiei N, Safarinejad S. Int J Impot Res
Zur Zuschreibung: 09
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=36 randomisiert · 2012
Effect of saffron on fluoxetine-induced sexual impairment in men: randomized double-blind placebo-controlled trial.
Modabbernia A, Sohrabi H, Nasehi AA, Raisi F, Saroukhani S, Jamshidi A, Tabrizi M, Ashrafi M, Akhondzadeh S. Psychopharmacology (Berl)
Zur Zuschreibung: 09
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=38 randomisiert · 2013
Saffron for treatment of fluoxetine-induced sexual dysfunction in women: randomized double-blind placebo-controlled study.
Kashani L, Raisi F, Saroukhani S, Sohrabi H, Modabbernia A, Nasehi AA, Jamshidi A, Ashrafi M, Mansouri P, Ghaeli P, Akhondzadeh S. Hum Psychopharmacol
Zur Zuschreibung: 09
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Randomisierte, dreifach verblindete Studie, n=50 · 2024
Effect of vitamin E with and without saffron on the sexual function in women of reproductive age with sexual dysfunction: a randomized controlled trial.
Izadi S, Mohammad-Alizadeh-Charandabi S, Yadollahi P, Mirghafourvand M. BMC Womens Health
Zur Zuschreibung: 09
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Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 11 Studien, n=859 · 2025
Pharmacological treatment of antidepressant-induced sexual dysfunction in women: A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials.
de Aquino ACQ, Sarmento ACA, Teixeira RLA, Batista TN, de Freitas CL, Mármol JMP, Lara LAS, Gonçalves AK. Clinics (Sao Paulo)
Zur Zuschreibung: 09
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21
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=202 · 2025
An Examination into the Effects of a Saffron Extract (Affron) on Mood and General Wellbeing in Adults Experiencing Low Mood: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial.
Lopresti AL, Smith SJ, Marx W, Díez-Municio M, Morán-Valero MI. J Nutr
Zur Zuschreibung: 01
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Zusatztherapie-Studie, n=160 eingeschlossen · 2019
Efficacy of a standardised saffron extract (affron) as an add-on to antidepressant medication for the treatment of persistent depressive symptoms in adults: A randomised, double-blind, placebo-controlled study.
Lopresti AL, Smith SJ, Hood SD, Drummond PD. J Psychopharmacol
Zur Zuschreibung: 02
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie · 2018
Effects of Saffron on Cognition, Anxiety, and Depression in Patients Undergoing Coronary Artery Bypass Grafting: A Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Trial.
Moazen-Zadeh E, Abbasi SH, Safi-Aghdam H, Shahmansouri N, Arjmandi-Beglar A, Hajhosseinn Talasaz A, Salehiomran A, Forghani S, Akhondzadeh S. J Altern Complement Med
Zur Zuschreibung: 10
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Randomisierte, placebokontrollierte Studie, n=60 · 2021
The effect of crocin (the main active saffron constituent) on the cognitive functions, craving, and withdrawal syndrome in opioid patients under methadone maintenance treatment.
Abbaszadeh-Mashkani S, Hoque SS, Banafshe HR, Ghaderi A. Phytother Res
Zur Zuschreibung: 10
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Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=73 randomisiert · 2020
A placebo controlled randomized clinical trial of Crocus sativus L. (saffron) on depression and food craving among overweight women with mild to moderate depression.
Akhondzadeh S, Mostafavi SA, Keshavarz SA, Mohammadi MR, Hosseini S, Eshraghian MR. J Clin Pharm Ther
Zur Zuschreibung: 03
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30
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte 3-Arm-Studie, n=128 · 2017
affron® a novel saffron extract (Crocus sativus L.) improves mood in healthy adults over 4 weeks in a double-blind, parallel, randomized, placebo-controlled clinical trial.
Kell G, Rao A, Beccaria G, Clayton P, Inarejos-García AM, Prodanov M. Complement Ther Med
Bei H.P.N
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